DFG Forschungsgruppe 5494 "Epistemologie des Göttlichen"
Die DFG Forschungsgruppe 5494 Epistemologie des Göttlichen untersucht die Ideengeschichte im alten Israel und beleuchtet die Inhalte und Prozesse, durch die das Göttliche gedacht, in Erinnerung bewahrt, dokumentiert und verbreitet wurde. Zu diesem Zweck werden biblische und außerbiblische Texte sowie die materielle Kultur der südlichen Levante im 1. Jahrtausend v. Chr. im Hinblick auf Wissenskonstruktionen über das Göttliche und die ihnen zugrunde liegenden Denkstrukturen und -muster in ihren jeweiligen Kontexten untersucht. Auf der Grundlage dieser Quellen und ihrer vielfältigen Perspektiven verfolgt das Projekt einen interdisziplinären Ansatz, der darauf abzielt, religiöse Akteure, antike sozio-epistemische Gemeinschaften, Zentren und Netzwerke zu identifizieren und zu rekonstruieren, während gleichzeitig ihre Umfelder, regionalen und sozio-historischen Kontexte, Dynamiken und Ideen analysiert und profiliert werden.
In Wuppertal angesiedelt ist das Teilprojekt 3 Täglich sichtbar: Auf dem Weg zu einer Epistemologie des Göttlichen, vermittelt durch Bilder (Projektleiter PD Dr. Thomas Wagner). Das Teilprojekt untersucht die Vermittlung von Wissenskonstruktionen des Göttlichen durch Stempel- und Zylindersiegel als erste Massenmedien. Die Siegel werden als Veräußerlichungen religiöser Gedanken und als Medium zur Vermittlung eines Realitätsmodells verstanden. Bilder dienen dazu, sowohl Ideen als auch soziale Strukturen zu manifestieren, und ihre zunehmende Verbreitung schafft Einfluss- und Wissenssphären. Ausgehend von diesen Annahmen zielt das Projekt darauf ab, epistemische Zentren und die von ihnen ausgehenden Netzwerke in Bezug auf lokale soziale und wirtschaftliche Bedingungen, Landnutzung, Siedlungsmuster, Handel und Kommunikationswege zu kartieren. Auf diese Weise werden die Zusammenhänge zwischen der Vermittlung von Wissenskonstruktionen durch Zeichen/Symbole/Motive, den daraus resultierenden Normen, der Beziehung des einzelnen Artefakts zum lokalen und regionalen Bildprogramm und damit deren lokalen Interpretationen sichtbar.